Comeback der Falcons
Comeback der Falcons: Wie Zittaus Basketballer zurückkehrten
(SZ-Online - Frank Thümmler)
Vor wenigen Jahren, nach dem Ende der Zittauer Falcons, stand der Basketball im Dreiländereck vor dem Aus. Jetzt melden sich die Korbjäger mit neuem Schwung zurück – auch wenn ein verdienter Spieler aufhört.
Zittau. Die großen Zeiten des Zittauer Basketballs liegen lange zurück. Nach der Saison 2011/12 waren die Zittauer Falcons in die sächsische Oberliga aufgestiegen. Bis 2015/16 hielten sie sich in Sachsens höchster Spielklasse. Nach dem Abstieg als Tabellenletzter ging es stetig bergab. Die Zittauer verloren viele Spieler, 2018/19 folgte die letzte Landesliga-Saison. Die Falcons stellten danach den Spielbetrieb ein, verschwanden praktisch von der Bildfläche.
Wer am vergangenen Sonnabendabend in der Zittauer Ottokarhalle zuschaute und die tolle Stimmung mit rund 100 Zuschauern erlebte, kann diese, wenige Jahre alte Geschichte kaum glauben. Im Duell um den zweiten Platz ihrer Bezirksliga-Staffel besiegten die auferstandenen Zittauer Falcons die Dresden Urbanics deutlich mit 83:59.
Die Zittauer dominierten von der ersten Sekunde an, setzten sich schnell mit einem 8:0-Lauf ab. Die Defensive stand wie ein Bollwerk, während offensiv auch zahlreiche Dreier ihr Ziel fanden. Zur Halbzeitpause spiegelte die Anzeigetafel beim Stand von 41:25 die Überlegenheit wider, und auch nach dem Seitenwechsel ließen die Falcons, beflügelt von der Atmosphäre, nichts mehr zu.
Ein emotionaler Abschied für Torsten Wegmann
Nur in der Halbzeitpause wurde es still in der Halle. Torsten Wegmann bestritt sein letztes offizielles Heimspiel in der Basketball-Liga. „Dieser Moment der Verabschiedung ging den Fans sichtlich nahe“, sagt Stefan Brussig, der zum Spiel gekommen war, um Wegmanns jahrelanges, unermüdliches Engagement für den Zittauer Basketball zu würdigen und ihm die Ehrennadel des Landessportbundes in Bronze zu überreichen.
Der von dieser Ehrung und der Stimmung in der Halle überraschte Torsten Wegmann hat maßgeblichen Anteil daran, dass der Basketball in seiner Heimatstadt wieder auferstanden ist. Der heute 41-jährige Stadtwerke-Mitarbeiter hatte als Schüler der Parkschule mit Basketball angefangen, spielte seit Anfang der 2000er im Verein und übernahm bereits ab 2003 Aufgaben im Verein als Jugendtrainer.
Als Point Guard (Aufbauspieler) erlebte er die „großen“ Zittauer Basketball-Zeiten als Spieler mit, stellte ab der Landesliga seine Übungsleiterlizenz dem Männerteam zur Verfügung, damit der damalige lizenzlose Trainer die Falcons durch die Spiele führen konnte, ohne dass es Verbandsstrafen gab.
Nach der Trennung von jenem Trainer war Torsten Wegmann ab der Saison 2011/12 dann Spielertrainer der Falcons. Die Nachwuchsarbeit der Zittauer zahlte sich zu selten aus. Die guten Nachwuchsspieler waren nach der Schule zum Studium weg, nur wenige kehrten zurück.
Auch der harte Falcons-Kern dünnte altersbedingt nach und nach aus. „Wir haben nach dem Abstieg 2019 erst einmal einen Cut gemacht. Dann kam Corona, verbunden mit einem Trainingsstopp. Wir wollten erst wieder trainieren, wenn alle dürfen, nicht nach dem Impfstatus unterscheiden“, erinnert sich Wegmann.
Deutsche WM-Erfolge waren hilfreich beim Neustart
Einige Spieler spielten währenddessen auf dem Freiplatz. „Wir haben dann wieder mit dem Training begonnen und übrigens auch von den Erfolgen unserer Nationalmannschaft mit WM-Bronze 2022 und dem WM-Titel 2023 profitiert. Die Werbung unserer Spieler an den Schulen hat uns viele Zugänge im Nachwuchsalter gebracht“, erinnert sich Torsten Wegmann.
Die Zittauer stiegen mit einem U16-Team wieder in den Spielbetrieb ein, bei den Erwachsenen mit einem Mixed-Team. Der Wiederaufbau gelang. Heute haben die Zittauer Falcons eine U16-, eine U18- und die Männermannschaft im Spielbetrieb.
Die Männer stiegen nach dem zweiten Jahr Bezirksliga in die Bezirksoberliga auf und stehen nach dem Sieg über die Dresden Urbanics auf dem zweiten Platz, punktgleich, aber vor den Urbanics – wegen des direkt gewonnenen Duells.
Torsten Wegmann traut sich fast gar nicht zu sagen: „Wenn wir unser letztes Spiel am 27. März beim Tabellenvierten in Dresden gewinnen, bleiben wir Tabellenzweiter und haben in den Play-offs gegen den Dritten, erneut die Urbanics aus Dresden, doch noch ein weiteres Heimspiel. Vielleicht war das am Sonnabend also noch gar nicht mein letztes.“
Würde auch in diesem einen Play-off-Spiel ein Sieg gelingen, würden die Falcons voraussichtlich ins Finale gegen die Dresden Titans 7 einziehen, wären gegen die bislang unbesiegte Mannschaft aber klarer Außenseiter.
Der Sieger des Finals steigt in die Landesliga auf, wo zum Beispiel auch die Görlitzer Squirrels spielen. „Dass wir gewinnen, ist im Moment unwahrscheinlich. Aber es könnte sein, dass die Titans auf den Aufstieg verzichten. Dann wären wir gefragt. Und darüber denken wir gerade nach“, sagt Torsten Wegmann.
Die Gegenargumente: Die jungen Spieler benötigen eigentlich noch etwas Entwicklungszeit, es gibt darüber hinaus ein paar Kaderveränderungen. Torsten Wegmann selbst macht ja nur noch als Trainer weiter.
Obwohl: Fit ist er heute wie lange nicht. Im Basketball kann man ja auch nur kurze Einsatzzeiten wahrnehmen. Wegmann lacht und sagt: „Die Frage hab’ ich mir tatsächlich gestellt. Aber jetzt soll die Jugend ran. Ich bin zufrieden, die Knochen sind ganz. Ich hab’ Familie mit meinen zwei Jungs, die andere Sportarten betrieben, ein Haus. Und ich bleibe gerne Trainer.“
SZ
(der Artikel ist zuerst in der Sächsischen Zeitung erschienen, Fotos: Raimund Linke)